Rede am 8.4. Prof.Langenkamp-Utterstädt

Auf der Festveranstaltung der Sanktionierung der Gorlitia (427) in der Landskronbrauerei zu Görlitz am am Samstag, den 8. im Ostermond a.U.158 wurde als Gastredner herzlich begrüsst Herr Prof. Gotthold E.F. Langenkamp-Utterstädt, von der Hochschule in Görlitz, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Schlaraffologie. 

Prof. Langenkamp-Utterstädt: 

Schlaraffen hört! Wir verlassen jetzt das Zeitalter der Präschlaraffiden. Lange schon hatte in Görlitz UHU sich Herzen gewonnen 
unter Theaterleuten, Honoratioren dazu. 
Gärend drängt hoch das Begehren, deutsch sich ein Reich zu erschaffen, 
friedlichem Spiele geweiht in einer bergenden Burg, 
während mit Krieg und Intrigen draußen sich kreißend gebärdet 
Volk’s und der Mächtigen Streben nach einem deutschen Reich. 
Schon fassten künft’ge Schlaraffen Gründungstermine ins Auge, 
so um den 10. Oktober. Festlich geschmückt ward der Saal. 
Da regte UHU die Schwingen mächtig nach seinem Entschluss: 
Masern ließ er grassieren just an der Oper in Prag, 
so dass ein Teil des Ensembles bresthaft im Lotterbett lag. 
Bittflehend rang man die Hände, Rettung aus Görlitz tat Not. 
Zähneknirschend sich beugten unsere Künstler dem Ruf, 
freundschaftlich deckend die Lücken, welche die Seuche dort schuf. 
Weh! Wer ermisst die Enttäuschung, als just in Prag man ankam. 
Vom Intendanten persönlich folgende Worte vernahm: 
„Abgesagt sind alle Proben, Vorstellung heute fällt aus, 
hält doch die Seuche in Klauen fast schon das ganze Haus“. 
Und da saßen sie nun, mutlos in Trauer vereint, 
kläglich der Pragische Rest unter der Görlitzer Schar. 
Schlimmeres droht Künstlern kaum als dieser Abgrund von Frust, 
wenn eines Mächt’gen Gebot jäh sie der Bühne beraubt. 
Hängende Köpfe ringsum, deren sich mancher nur hob, 
wenn seinen Humpen die Hand labend zum Munde gebracht. 
Manche Zähre zerrann trostlos auf Backe und Bart. 
Schon hob Versuchung ihr Haupt, daß man beende die Qual 
und seinen Kummer zum Schluss wehrlos im Biere ertränk‘. 
Blitzhell erleuchtend fuhr jetzt Uhus Gewalt in den Mann 
aus der Görlitzer Schar, den man in späterer Zeit 
ritterlich Optimist hieß, strahlend vom Uhu-Blitz. 
Hochauf reckte er sich, zündende Worte zu streu’n:

„Schäumet, ihr schlaffen Schlaraffen, hochauf Beherztheit und Mut! 
Undankbar wär’s, zu verschmähen, was Uhus Geist für uns tut! 
Grade in Not und Bedrängnis weiset den Kummer zurück! 
Ist doch, grad‘ jetzt frei zu spielen, seelisches Meisterstück. 
Was wir für Görlitz schon planten, heut‘ hier in Prag sei’s getan! 
Auf, wer aus mutigem Herzen mit mir will steh‘n seinen Mann. 
Hierdurch sei nun gegründet, winziges deutsches Reich, 
in welchem alle Sassen brüderlich gelten als gleich! 
Und nicht zu deinem Schutze brauchst du Zugbrücke und Tor. 
Unsere einzige Waffe sei Kunst mit Geist und Humor! 
Eingriff aus der Profanei schärfstens weis‘ ich ihn zurück. 
Frei für sein Spiel ganz zu sein, dass sei Schlaraffenglück!“
 
Hei, wie ein Mann sprangen hoch alle die Recken im Saal! 
Keckheit flammt plötzlich auf nach der durchlittenen Qual. 
Humpen wie Schwerter man hob, labte EHÉ und LULU, 
sang vollen Herzens das Lob froh auf AHA und UHU. 
Allenthalben im Land regte Schlaraffisches sich, 
bis uns’re Landkarte schon fast einem Masernfall glich. 
Schon, - wie könnt‘ anders es sein, wenn zu gemeinsamem Tun 
Künstler an Künstler sich drängt -, drohte Wildwuchs und Streit. 
Ohne Regel kein Spiel! Frieden stiftete bald 
klugen Spiegels Gesetz, Ceremonjale dazu. 
Mancher Mann hätte gedacht, Reich mit der Numero 2 
würde Görlitz nun sein, aus dem der Funke kam. 
Aber das Walten Uhus beuget der Logik sich nicht. 
Seine Weisheit gebot, dass fast ein Jahrdreißig verstrich 
bis die Gorlicia hier jugendlich aufblüht als Reich. 
Urschlaraffen selbfünft hoben zur Taufe das Kind, 
auf dass in Freuden es sei prangende Frucht des UHU. 
Aber es dauert die Pracht nur ein Jahrfünzig lang. 
Dann gab sich selber den Tod auch dieses fröhliche Reich, 
dem Gelöbnis getreu, niemals zu beugen das Haupt 
unter ein fremdes Joch, weichend profanem Zwang. 

Als es zu dämmern begann nach fünfzigjähriger Nacht, 
tastete zaghaft nur rosenfing‘riger Strahl 
Morgenrots über die Flur, wo einst Gorlicia geblüht 
und wo so lange schon jegliches Leben erlosch, 
Wüste unwirtlich sich bot, jeglichem Spiele abhold. 
Und doch kann nicht ruhig bleiben 
jener Hang zum Unsinn-Treiben, 
jene Lebens-Urgewalt, 
die sich stets zusammenballt, 
wenn der Mann, noch so verbittert, 
eine kleine Chance wittert, 
sich mit Gleichen zu verbünden, 
einen Vorwand auch zu finden 
mit dem kaum verbrämten Ziele, 
dass man spiele. 
Überwältigend war hier in der Festburg am Ort 
für uns’re Colonie Präsenz uhuversumsweit: 
Nahezu hundert Reiche glänzten mit Banner und Mann. 
Ungezählt noch der Tross prächtig gewandeter Frau’n, 
sprengelfürstlich gekrönt und allschlaraffisch beraten, 
rührte und machte stolz unser bescheidenes Nest. 
Mutter Dresas Geschick leitete klug unser Schiff 
durch alle Fährlichkeit schwierigen Ceremoniells. 
Dankbar denkt stets unser Reich an seine Gründung zurück. 
 
Was könnte höher erfreu’n Mutter und Vater Uhu, 
als ein blühendes Kind, spritzig und lebensvoll? 
Bald, mit Bedacht ausgewählt, peregrienten bei uns 
Pilger in stetiger Zahl aus rechtem Schrot und Korn, 
bildnerisch-trefflich behau’n von des Gestrengen Hand. 
Prüflinge kugelten weiß, nach Ceremonjale verknappt, 
manchmal zwar rüpelnd und frech, aber belebend und frisch, 
so dass in jüngster Zeit vierfach gejunkert auch wird 
an jener Tafel, die längst diese Bezeichnung schon trägt. 
Sind sie nicht herzig, die Kleinen, spielend im Übermut? 
Ob sie wohl jemals reifen zu ernstem Rittertum? 
Jedenfalls werden sie brauchen noch manchen Knutenhieb, 
bis sie, gereinigt von letzten Schlacken der Profanei, 
der Gorlitia Zierde und Ehre sind dem UHU. 
Auf unserem Wege zum Reiche ging einer ahallwärts voraus. 
Ehrend wir seiner gedenken in diesem festlichen Haus: 
Ritter Messère, der selbstlos seine Erfahrung uns bot, 
damit wir langsam würden in UHU erwachsen und groß. 
Und so ist er gekommen, der heutige glückliche Tag, 
da in Görlitz wieder ein Reich zu blühen vermag. 
Kein Kind ist näher verbunden mit Mutter, Allmutter, Uhu, 
als das, dem man eben erst drückte die Nabelschnur segensreich zu. 

Das Abschlussceremoniale gipfelte in dem Ausspruch:
„Konnten wir’s denn heut‘ nicht zeigen? 
Was dem Menschen recht zu eigen 
immer war und stets wird bleiben, 
ist der Hang zum Unsinn-Treiben. 
Bedenkt’s! Dann werdet Ihr versteh’n: 
Schlaraffia kann nicht untergeh’n!